Die 14 Weinstraßen in der Toskana

Weinbau in der Toskana

In Italien ist der Weinbau einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Das Land im Süden Europas gehört zu den größten Weinproduzenten des Kontinents. Unter den vielen bekannten Weinregionen gelten die Toskana und das Piemont als bedeutendste Weinbau-Regionen des Landes.

Die Toskana bietet dank idealer geologischer und klimatischer Bedingungen den Winzern eine erstklassige Umgebung für die Entstehung hochwertiger Weinsorten mit einer ganz eigenen Note und Individualität. Die Hauptrebsorte in der Toskana ist die Sangiovese, welche die Grundlage für den Chianti oder auch den Brunello di Montalcino ist. Aber auch die Cabernet-Trauben werden angebaut. Der Rotwein ist das Aushängeschild der Toskana, denn die berühmtesten Weine der Region sind die Rotweine. Doch auch einige Weißweine entstehen in der wunderschönen Landschaft.

Vor allem Richtung Mittelmeer war es in den 1960er und 70er Jahren populär, Cabernet Trauben wie Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc zu verwenden. Aus diesen Tests entstanden die später als Super Tuscans bekannten Supertoskaner-Weine. Unter diesen stach insbesondere der Sassicaia hervor. Es hat viele Jahre gedauert, bis ihm ebenfalls der DOC-Status verliehen wurde. Bis dahin war der edle Wein der wohl teuerste Tafelwein der Welt. Ähnlich geht es einigen anderen bekannten Sorte, die noch auf ihr Höchst-Prädikat warten. Die Zuerkennung scheitert meist an der Verwendung der in der Toskana „unüblichen“ Trauben.

Zu den Spezialitäten der Region gehört auch der Vin Santo-Rotwein. Die süße Dessertwein-Variante ist besonders beliebt, obwohl es auch halbtrockene und trockene Arten davon gibt.

Qualitätsweine aus der Toskana

Im Jahr 2016 erfüllten folgende 11 Weine die Kriterien für die höchste Qualitätsstufe DOCG: Brunello di Montalcino, Carmignano, Chianti (DOCG), Chianti classico (DOCG), Elba Aleatico Passito, Montecucco Sangiovese, Morellino di Scansano, Suvereto, Val di Cornia Rosso, Vernaccia di San Gimignano und Vino Nobile di Montepulciano.

Weitere 41 werden als DOC-Weine eingestuft. Das sind hochwertige Weine, die qualitativ unter den DOCG, aber über den IGT-Weinen einzuordnen sind. Die 6 IGT-Weine würden hierzulande als Landweine bezeichnet werden. Sie sind qualitativ besser als einfache Tafelweine. Für ihre Qualität sind die toskanischen Weine weltbekannt und haben sich zu einem echten Exportschlager entwickelt. Vor allem in den USA, aber auch in Deutschland und der Schweiz sitzen dankbare Abnehmer.

Die 14 Weinstraßen in der Toskana

Bei so viel Qualität und Erfahrung im Weinbau war es naheliegend, daraus auch touristisches Kapital zu schlagen. Inzwischen laden 14 Weinstraßen dazu ein, die Landschaft mit ihren wunderschönen Weingärten zu entdecken und zu genießen. Wer sich auf eine dieser Routen begibt, lernt die Weinproduktion mit einer bestimmten Rebe kennen und kann sich bei den Weinbauern selbst von den Anbaumethoden, der Produktion und Qualität ihrer Produkte überzeugen.

Dazu wurde am 13. August 1996 ein regionales Gesetz verabschiedet, welches offiziell die Weinstraßen in der Toskana reguliert. Die Straßen dienen dazu, die Qualität der Weine zu schützen und zu verbessern. Außerdem wird die Produktion der Qualitätsweine nach DOC- und DOCG-Standards den Besuchern öffentlich zugänglich und publik gemacht. Auch eine gute Werbemaßnahme für die Winzer.

Als eines der bekanntesten Weinbaugebiete der Toskana gilt das Gebiet des Chianti und Chianti Classico, aber auch andere Weine von hoher Qualität werden in der Toskana angebaut. Ein Besuch in den öffentlichen Weinkellern ist eine ideale Gelegenheit, um die hauseigenen Weine probieren und die atemberaubende Landschaft während einer Wanderung über die Weinstraßen zu genießen. 14 verschiedenen Wege, von Nord nach Süd und von Ost nach West erwarten Freunde und Liebhaber des toskanischen Weines. Sie ähneln einander und sind dennoch sehr einzigartig. Jede dieser Straße birgt eigene Geheimnisse, Eigenschaften und Panoramen, die es zu entdecken gilt. Eine Erlebnisreise der ganz besonderen Art wartet.

Was macht jede einzelne dieser Straßen aus? Welche Weine entstehen dort? Was erwartet den Reisenden dort? Ein kleiner Überblick kann helfen:

Weinstraße der Hügel von Candi und der Lunigiana

Diese Weinstraße ist im Norden der Toskana zu finden am Fuße der Apuanischen Alpen. Weite Strecken mit sandigen Küsten und die Apuanischen Gipfel erwarten die Reisenden. Von Pontremoli über Carrara und Massa bis nach Capanna kann man seine Route planen. Die Provinz Massa Carrera erwartet die Weinliebhaber mit vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Das berühmte Castello Malaspina in Fosdinovo zum Beispiel oder ein weiteres Schloss in Massa lohnen einen Besuch. Der sogenannte „Candia“, ein sehr leichter Weißwein, wird in diesem Gebiet produziert.

Weinstraße der Hügel um Lucca und Montecarlo

Von Lucca über Santo Stefano bis nach Montecarlo erstreckt sich dieser Weg. Ortschaften wie Colle, Valgiano und Gragnano laden die Besucher zum Verweilen in der schönen Provinz Lucca ein. Hier wird sowohl Rot- als auch Weißwein angebaut. Die DOC-Weine „Colline Lucchesi“ und „Montecarlo“ entstehen dort.

Medici-Weinstraße von Carmignano

Im Herzen der Toskana findet man sich umgeben von Olivenbäumen und Wäldern wieder. Die Straße adliger Herkunft liegt in der Provinz Prato. An geschichtsträchtigen Orten wie Poggio a Caiano, Artimino und Carmignano lernt man das Leben der Toskana kennen. Weine höchster Qualitätsstufe wie DOC- oder DOCG-Weine entstehen dort wie zum Beispiel der „Carmignano Rosso“ und der „Carmignano Rosso di Riserva“.

Weinstraße des Chianti Rùfina und Pomino

In einem Nebengebiet des Chianti nordöstlich von Florenz befindet sich diese Straße. Es war die erste der 14 Straßen in der Toskana. In Rùfina gibt es ein geschichtliches Weinmuseum. Neben Londa erwarten berühmte Orte wie Borgo San Lorenzo und Vallombrosa die Besucher. Die Provinz Florenz lädt auf eine unvergessliche Weinreise ein. Im kleinsten Chianti-Gebiet warten mittelalterliche Dörfer, Burgen und Gärten umgeben von herrlichen Weinbergen. Der Rotwein „Chianti Rùfina“ und der Weißwein „Bianco Pomino“ kommen aus diesem Gebiet.

Weinstraße der pisanischen Hügel

Wie der Name schon sagt, befindet sich diese Straße in den Hügeln rund um die Stadt Pisa in der gleichnamigen Provinz. Es ist eine ländliche Gegend, in der sich Ebenen und Hügellandschaften abwechseln. Von San Miniato führt sie den Weinliebhaber bis nach Pisa, wo der Schiefe Turm schon wartet. Unter anderem werden entlang dieses Weges etwas delikatere und leichtere Chianti-Weine hergestellt.

Weinstraße von Montespertoli

Ebenfalls in der Provinz von Florenz befindet sich diese Weinstraße. Montespertoli liegt etwa 30km entfernt von der Stadt Florenz. Es ist ein kleines und ruhiges Dorf, das mit seiner antiken Charakteristik in einer Landschaft mit weit ausgestreckten Hügeln und den typischen Dörfern und Burgen der Toskana besticht. Dort südwestlich von Florenz werden ebenfalls hauptsächlich Chianti-Weine produziert. Produziert werden „Montespertoli Chianti“ und „Chianti Colli Fiorentini“, beides DOCG-Weine.

Weinstraße des Chianti der florentinischen Hügel

Diese befindet sich auf dem Gebiet um Florenz. Reine Natur mit Weinbergen und Olivenhainen breitet sich rund um die toskanische Hauptstadt aus. Malerische Plätze wie Montelupo, Fiorentino, Scandicci oder auch Regello oder Rignano warten auf Weinliebhaber. Die berühmte florentinische Familie Antinori führt hier Weinkeller, die weit über die Grenzen der Provinz Florenz und Italiens bekannt sind. Beliebt ist das Gebiet außerdem aufgrund seiner Produktion von Weinen von voluminöserem Körper.

Weinstraße des „Vernaccia di San Gimignano“

Nordwestlich von Siena erstreckt sich das sogenannte „Manhatten des Mittelalters“, eine Bezeichnung, die auf die berühmten Geschlechtertürme von San Gimignano zurückgeht. Bauernhöfe, Restaurants, Weingüter und Weinbars prägen die Landschaft. Ein Besuch in Castel San Gimignano, Pancole, Libbiano oder Bibbiano bietet eine wunderbare Gelegenheit, die hochausgezeichneten Weine wie den Weißwein „Vernaccia die San Gimignano“ oder den Rotwein „Chianti Colli Senesi“ zu probieren.

Weinstraße Boden von Arezzo

Von Cortona über Arezzo bis zu Orten wie Loro Ciufenna oder Castelfranco di Sopra lässt sich die malerische Landschaft der Toskana bewundern. Eine Vielzahl weiterer verträumter Orte der Provinz Arezzo in südlicher Richtung laden die Wanderer und Reisenden zu einem Glas Wein ein. Berühmt ist dieses Weingebiet südöstlich von Florenz für seinen Weißwein, den „Bianco Vergine di Valdichiana“. Aber auch hier wird genauso der DOCG prämierte „Chianti“ hergestellt.

Weinstraße der Etruskerküste

Diese Weinstraße befindet sich in der Provinz Livorno. Parallel zum Meer verläuft sie und lädt mit ihren mittelalterlichen Dörfern, von Wäldern bedeckten Hügeln und den Panoramen vom Grün der Natur und dem Blau des Meeres ein, das La Dolce Vita in vollen Zügen zu genießen. Von „Colline Metallifere“ über das pisanische Hinterland bis zur bekannten Insel Elba erstreckt diese sich. Ein von Weinkennern als bester Wein Italiens betitelte Wein entsteht hier: der Sassicaia. Aber auch bekannte Weine von der Insel Elba wie der Bianco L’Ansonica oder Rosso Aleatico gehören zu dieser Weinstraße.

Weinstraße des Monteregio di Massa Marittima

Diese Weinstraße grenzt direkt an die Weinstraße der Etruskerküste. Sie hat in den letzten Jahren großes Ansehen erlangt. Von Bagnolo im Norden schlängelt sie sich in der Provinz Grosseto bis zur Tyrrhenischen Küste und von dort bis Roccastrada ins Landesinnere. Der „Monteregio die Massa Marittima“ ist ein DOC-Wein, der entlang dieser Weinstraße angebaut wird.

Weinstraße des Montecucco

Sie ist ebenfalls ein Teil der 4 maremmanischen Weinstraßen und befindet sich auch in der Provinz Grosseto. Im Landesinneren nimmt sie ihren Weg beginnend in Bagno di Petriolo vorbei an Civitella Marittima, Cinignano über Montecucco bis Campagnatico und in östlicher Richtung bis Ansedonia. Es geht durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Hergestellt wird dort der „Montecucco DOC“.

Weinstraße de Vino Nobile di Montepulciano

Eine Reise von Montepulciano über Cervognano und Gracciano bis nach Valiano ist ein echter Weingenuss. Einer der bedeutendsten italienischen Weine im Ausland ist der „Nobile di Montepulciano“. Erst nach einer Lagerung von 2 Jahren in Eichen- oder Kastanienfässern erreicht er seine hohe Qualität. Dieser Wein aus der Provinz Siena wird auch als der König der toskanischen Weine bezeichnet.

Weinstraße der maremmanischen Hügel

Im Süden der Provinz Grosseto erwartet den Besucher mit einer Vielzahl an verschieden Weinen diese Weinstraße und besticht mit Tradition und Genuss. „Parrina DOC“ und „Sovana DOC“ sind nur ein kleiner Anteil der Weine, die den Weinliebhaber dort erwarten.

Die Toskana ist eines der bekanntesten Weinbaugebiete der Welt. Außerdem gehört die Region dem Netzwerk der Great Wine Capitals an. Nur jeweils eine Weinbauregion eines Landes kann in dieses Netzwerk aufgenommen werden. Ein Besuch der Weinstraßen bringt den einzigartigen Genuss des Weines, das Geheimnis seiner Entstehung und die Landschaft, in der er gedeiht, für den Reisenden zusammen und macht die Reise zu einem echten Erlebnis. Die Geschichte einer Region und einer Kultur, eine eigene Lebensweise öffnet sich den Interessierten und lässt sie daran teilhaben. Die Weinstraßen der Toskana sind La dolce Vita pur.