Galleria Palatina in Florenz

© Das Video stammt von Renzo Manganotti | Youtube.

Florenz, die Hauptstadt der Toskana, ist in höchstem Maße ein Glanzpunkt in der europäischen Kunst und Kultur. Kunstkenner- und Liebhaber widmen der Stadt mit dieser Fülle an Kunstschätzen meist mehr als nur einen Tagesausflug. Das sollte jeder Besucher tun, denn diese Stadt mit ihrer Renaissance-Geschichte lässt sich nicht im „Vorübergehen“ kennenlernen. Und die einzelnen Ausstellungen schon gar nicht!

Zu den attraktivsten Kunstgalerien in Florenz zählt u. a. die Galleria Palatina. Die Gemäldesammlung der Medici ist im Palazzo Pitti untergebracht. Dieser steht zwar auch im Zentrum der Stadt, liegt aber ein ganzes Stück vom touristischen Trubel entfernt. Genauer gesagt liegt der Palazzo Pitti in Oltrarno, einem Stadtviertel, in dem es ein wenig entspannter zugeht als unmittelbar in der Altstadt, in der es von Besucher wimmelt. Wer nach dem Überqueren der Ponte Vecchio, der berühmtesten Fotokulisse der Touristen, auf die südliche Seite des Arno geht, der befindet sich in Oltrarno. Zunächst fällt das Viertel nicht sonderlich durch touristische Highlights auf. Wer sich jedoch auf die Pfade der Individualtouristen begibt, der wird aus dem Staunen nicht herauskommen.

Der Palazzo Pitti

In Oltrarno finden die wahrhaft Neugierigen den Palazzo Pitti. Zu übersehen ist das Gebäude nicht. Es fällt nicht durch seine besondere Schönheit, sondern wohl eher durch seine „klotzige“ Bauweise auf. Den Renaissance-Palast ließ sich die Familie der Pitti bauen, die zu den bedeutendsten Adelsfamilien mit gewaltigem Einfluss in Florenz gehörte.

Die Grundlagen des Gebäudes gehen auf Filippo Brunelleschi (1377 bis 1446) zurück. Dieser Architekt war einer der führenden seines Fachs und Bildhauer im Italien der Frührenaissance. Baubeginn des Palazzo Pitti war 1458. Durch Verkauf ging das Gebäude im 16. Jahrhundert an die Familie Medici, die es zu einer monumentalen Fürstenresidenz ausbauen ließen. Für dieses größte Bauwerk in Florenz südlich des Arno verwendete man Steinquader, auch Bossenwerk oder Rustika genannt, bei dem das Material nur grob behauen ist. Es verleiht einem Gebäude einen charakteristischen Festungscharakter und war typisch für die Bauwerke des Florentiner Adels. Der lange Jahre unvollendet gebliebene Bau wurde erst nach dem Verkauf an die Medici umgebaut und erweitert. Hinzu kam der Boboli-Garten.

Die Gartenfassade vom Palazzo Pitti in Florenz
© Das Bild zeigt die Gartenfassade vom Palazzo Pitti in Florenz von Stefan Bauer – Eigenes Werk. [CC BY-SA 2.5] über Wikimmedia Commons.
Der Baumeister und Bildhauer Bartolomeo Ammanti (1511 bis 1592) ersetzte das Sparrendach durch ein niedriges. Ammanti war auch der Verantwortliche für die Gartenfassade, die Hofgestaltung und für einige Statuen in der Gartenanlage. In die zugemauerten Bogenportale im Erdgeschoss des dreistöckigen Bauwerks hatte Ammanti 1568 Renaissancefenster eingefügt. Zwischen 1620 und 1631 erfolgte eine Ergänzung auf eine Breite von 13 Fensterachsen und zweistöckigen Seitenflügeln, die jeweils fünf Achsen hatten. Damit war Brunelleschis und Ammantis Fassadengestaltung übergangslos weitergeführt worden. Die seitlichen Arkaden-Anbauten, die den Vorplatz einrahmten, kamen 1764 als letzte Maßnahme hinzu.

Seit dem 16. Jahrhundert hatte der Palazzo Pitti den Herzögen der Toskana als Residenz gedient. Später wurde der Palast der Sitz des Königs von Italien. Im Jahr 1919 hatte König Viktor Emanuel III. das Gebäude an den italienischen Staat abgetreten.

Die Galleria Palatina

Mit der Abtretung an den Staat waren der Palazzo und die darin beherbergte Gemäldesammlung öffentlich zugänglich gemacht worden.

Die Sammlung der Gemälde ist eine der bedeutendsten Sammlungen von Werken des Klassizismus bis zum Beginn des italienischen Futurismus.

Neben der Galleria Palatina, sind im Palazzo Pitti noch weitere Museen untergebracht wie beispielsweise die Galleria d’Arte Moderna, die Werke des Klassizismus bis zum Neoklassizismus beinhaltet. Des Weiteren befinden sich dort

  • die Kostümgalerie (Galleria del Costume),
  • das Museo degli ARgenti (das Silbermuseum) und
  • die Appartamenti Reali (die königlichen Gemächer.
  • Das Kutschenmuseum (Museo delle Carrozze) komplettiert die ständigen Ausstellungen im Palast.

Die kunsthistorisch bedeutendste Ausstellung ist jedoch die Sammlung, die lapidar nur als „Palatina“ bezeichnet wird. Noch heute wirkt sie wie eine private Sammlung, die sich der Besucher in der prächtigen Umgebung des einstigen florentinischen Glanzes anschauen kann. Sie demonstriert den Reichtum derer, die als Bewohner des Palastes in die Historie eingingen. Dieser Prunk wird durch die originale Raumdekoration noch gesteigert und versetzt den Betrachter in die Zeit der Medici.

Beeindruckend sind die Werke von Tiziano (um1477 oder um 1490 bis1576) und Raffaello (1483 bis 1520), zwei der bedeutendsten Vertreter der Hochrenaissance in der Malerei. Mit Gemälden wie „Madonna und der Stuhl mit dem Heiligen Johannes dem Täufer als Kind“, das Raffael um 1514 schuf und dem „Porträt von George Villiers, Erster Herzog von Buckingham“, das der flämische Barockmaler Peter Paul Rubens (1577 bis 1640) im Jahr 1625 malte, kann sich der Besucher einen Überblick über die Malerei in Europa des 17. Jahrhunderts verschaffen.

Auch wenn man als ungeübter Kunstbetrachter die Galleria Palatina besucht und nicht allzu viel von den historischen Zusammenhängen weiß, dann sind doch trotzdem Bilder wie „Schlafender Cupido“ (Caravaggio, 1571 bis 1610) von 1608 und andere Werke ein Fest für die Augen und die Sinne. Die ausgestellten Werke, die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen, finden durch die Fresken und Stuckarbeiten, die sie umgeben, einen äußerst würdigen Rahmen.

Und zur Entspannung, wenn man sich die Augen schon müde geschaut hat, dann ist der Garten eine ideale Option. Er schließt sich gleich hinter dem Palast an und imponiert ebenfalls mit großer Schönheit und dem Hauch der Historie.

Die Galleria Palatina und die Besucher

Innerhalb von Florenz ist die Galleria Palatina im Palatina Pizzi zu finden, der im Stadtteil Oltrarno steht. Im Vergleich zu dem Trubel, der in der Altstadt auf der anderen Seite des Arno herrscht, verirren sich nur wenige Touristen hierher. Ein Vorteil für alle Kunstliebhaber. Schlangen an der Kasse sind eine Seltenheit!

Wer dennoch sicher sein möchte, ohne Wartezeit in die Galleria zu kommen, der kann entweder in der Touristeninformation (Via Manzoni, 16) oder auch online eine Firenze Card erwerben, die außer dem schnellen Museumseintritt noch weitere Vorteile hat.

Geöffnet ist die Galleria täglich von 8:15 Uhr bis 18:50 Uhr

Weitere Informationen: http://www.polomuseale.firenze.it/musei/pitti.php?m=palazzopitti