Geschlechtertürme von San Gimignano

Geschlechtertürme in San Gimignano

Eine der schönsten Städte der Toskana befindet sich in der Provinz Siena – San Gimignano. Das liegt vor allem an ihrem historischen, mittelalterlichen Stadtkern, der 1990 als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt wurde und die meisten Geschlechtertürme der Region aufweist. Deswegen wird San Gimignano auch „Stadt der Türme“ oder „Mittelalterliches Manhattan“ genannt.

Geschlechtertürme

Bei den Geschlechtertürmen handelt es sich um aus Italien stammende Turmbauten, die gleichzeitig als Wohnsitz und Verteidigungsanlage für einflussreiche Adels- und Handelsfamilien in den italienischen Städten dienten. Entstanden sind die Türme im 12. und 13. Jahrhundert, einer Zeit, in der familiäre Fehden den Alltag der Bevölkerung prägten.

Die Türme hatten eine quadratische Grundfläche und waren schlank gebaut, dabei weder sonderlich luxuriös noch bequem. Dennoch versuchten die reichen Patrizier, sich hinsichtlich der Turmhöhe gegenseitig zu übertrumpfen. Je höher der Turm, desto größer war das Ansehen der Familie. Doch irgendwann stießen die Türme an die Grenzen der Statik. Einige fielen zusammen, daher durften die späteren Türme den Rathausturm Torre Grossa nicht überragen.

Darüber hinaus bot ein höherer Turm auch bessere Verteidigungsmöglichkeiten. Im Angriffsfall rettete man sich über Leitern oder Strickleitern in die nächsthöhere Etage und zog dann die Leiter schnell ein. Fortan kämpfte man mit heißem Pech, Wurfgeschossen und Waffen gegen die Eindringlinge. Viele Türme hatten auch keine Tür im Erdgeschoss, ebenfalls eine Sicherheitsmaßnahme.

Geschlechtertürme von San Gimignano
Geschlechtertürme von San Gimignano © lo.tangelini (bearbeitet). Lizenziert unter [CC BY-SA 2.0] über Flickr.
Le Torri di San Gimignano

Mit 14 Türmen ist San Gimignano die toskanische Stadt mit den meisten in ganzer Höhe erhaltenen Geschlechtertürme. Einst standen in der Stadt circa 74 der prächtigen Gebäude. Die Bauten prägen das Stadtbild und machen die Skyline der Stadt zu einem beeindruckenden Anblick zwischen mittelalterlicher Romantik und moderner Eleganz.

Als größter Turm ragt der Torre del Podestà, oder auch Torre Grossa, in den Himmel hinauf. Exakt 54 Meter ist der Turm hoch und momentan der einzige Geschlechterturm der Stadt, der von Besuchern bestiegen werden kann. All jene, die den Aufstieg auf sich nehmen, erwartet ein faszinierendes Stadtpanorama.

Der älteste Turm ist der Torre Rognosa. Der Name bedeutet so viel wie „räudiger Turm“ oder „geplagter Turm“ und deutet auf seine zeitweise Funktion als Kerker hin.

Interessant sind auch die jeweiligen Zwillingstürme der Familien Ardinghelli und Salvucci. Da durch ein städtisches Dekret festgelegt war, dass kein Turm höher als der Torre Grossa gebaut werden darf, entschlossen diese zwei wichtigsten Adelsfamilien San Gimignanos anstatt einem, gleich zwei nur unwesentlich kleinere Türme zu errichten, um ihrem Stand gerecht zu werden.

Piazza della Cisterna
Auf dem Bild ist der mittelalterliche Brunnen auf der Piazza della Cisterna zu sehen. © Das Foto stammt von Dlanglois – Eigenes Werk, [CC BY-SA 3.0] über Wikimedia Commons.
Die Stadt San Gimignano

Doch nicht nur die einzigartige, turmbespickte Skyline des Stadtkerns macht die Stadt zu einem sehenswerten Ausflugsziel. Auf der Piazza della Cisterna, einem von mittelalterlichen Burgen umgebenen Platz, lässt sich das Leben in einem der vielen Cafés bei mediterranen Temperaturen genießen, während die Palazzi Cetti und Tortoli den Besucher durch ihre gotischen Rundbögen in die Welt des Mittlealters entführen. Kulturbegeisterte kommen in den städtischen Museen auf ihre kosten. Neben dem Museo della Tortura und dem Museo d’Arte Sacra, ist vor allem das Museo Civico einen Besuch wert. Hier werden Kunstwerke aus dem 13. bis 15. Jahrhundert ausgestellt und es ist direkt an den Torre Grossa angeschlossen.