Piazza dell’Anfiteatro in Lucca


Die „Piazza dell’Anfiteatro“ (Platz des Amphitheaters) befindet sich im Nordosten der Hauptstadt Lucca der gleichnamigen Provinz in der nördlichen Toskana. Der Platz wurde im Mittelalter auf den Ruinen eines römischen Amphitheaters vermutlich aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus errichtet und erhielt deshalb auch seinen charakteristischen Namen. Die ovale Form des Platzes erinnert bis heute deutlich an diejenige des einstigen Theaters.

Zur Zeit seiner Entstehung wurde der Platz jedoch zunächst „Parlascio“ genannt, eine Verballhornung des lateinischen Wortes „paralisium“ für Theater in Verbindung mit dem italienischen Wort „parlare“ für sprechen. Dies geschah, um den Platz eindeutig als öffentlichen Ort für Zusammenkünfte zu kennzeichnen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden rund um die „Piazza dell’Anfiteatro“ immer mehr neue Gebäude errichtet, so vorrangig Lagerhäuser und Munitionskammern, aber auch diverse Gefängnisse.

Im frühen 19. Jahrhundert erwirkte der in Lucca geborene und ansässige Architekt Lorenzo Nottolini (1787-1851) nach langem Ringen mit der damaligen Verwaltung eine Wiederherstellung der ursprünglichen Stadtstruktur. Die „Piazza dell’Anfiteatro“ wurde von jeglichen Bauten freigeräumt und wieder in die typische elliptische Form zurückversetzt. Außerdem wurde von außen um die erste Häuserreihe die neue, ebenfalls ovale Straße Vía del anfiteatro erbaut.

Der neu geschaffene Raum wurde in der Folge als Standort für den städtischen Markt genutzt, bis dieser schließlich Mitte des 20. Jahrhunderts zum Marktplatz Carmine umzog. Heute misst der Umfang des Platzes etwa drei Meter mehr als derjenige des einstigen Amphitheaters, in manchen Geschäften am Rand des Platzes kann man noch immer die antiken architektonischen Strukturen aus der Römerzeit besichtigen.

Der Zugang zur „Piazza dell’Anfiteatro“ ist aktuell über vier verschiedene Tore möglich, nur die am tiefsten gelegene befindet sich jedoch im Originalzustand. Der schöne und gepflegte Platz wird von mehreren Cafés und Restaurants gesäumt und ist deshalb auch ein sowohl bei Einheimischen wie Besuchern beliebter Treffpunkt in den Nachmittags- und Abendstunden. Nur wenige Schritte liegen auch die lebendigen Flaniermeilen Via Filungo, Via Antonio Mordini, Via Busdraghi und Piazza S. Pietro Somaldi mit vielen Geschäften, Hotels und Pensionen.

Besonders gut besucht ist die „Piazza dell’Anfiteatro“ jedes Jahr am 27. April, wenn dort das bunte Fest zu Ehren der lokalen Schutzheiligen Zita von Lucca von Tausenden von Teilnehmern ausgelassen gefeiert wird. Sehenswerte Plätze ganz in der Nähe sind die Piazza Napoleone und die Piazza San Michele. Besuche lohnen auch das Museo Nazionale Guinigi und das Museo e Pinacoteca Nazionale, die Villa Oliva samt prächtigem Garten aus dem 15. Jahrhundert im Ortsteil San Pancrazio und das Geburtshaus des weltberühmten Komponisten Giacomo Puccini samt Museum.