Die Tradition der Teppiche aus Sägemehl ist ein Brauch, der sich seit dem 15. Jahrhundert im Stadtzentrum von Camaiore (bei Lucca) jedes Jahr zu Gelegenheit der Corpus Domini Prozession wiederholt.
Die Vorbereitungsphase für dieses Handwerk beginnt bereits einige Monate vor der Prozession, mit dem Entwurf und den Papierskizzen der Abbildungen, die auf dem Asphalt der Innenstadt mit der «pula» kreiert werden, wie hier das Sägemehl genannt wird.
Die Papierskizze wird daraufhin auf Sperrholztafeln übertragen, die gelocht und dann als Form auf dem Straßenpflaster benutzt werden. Stets in den vorhergehenden Monaten wird außerdem zentnerweise Sägemehl ausgewählt, das mit Anilinfarben gefärbt und bis zu seinem Gebrauch sorgfältig aufbewahrt wird.
Geometrische Muster, Heiligenbilder (häufig über das Geheimnis der Eucharistie), aber auch die Reproduktion von berühmten Gemälden aus der Renaissancezeit und Blumendarstellungen sind die magischen und fast surrealen Themen der Fantasie der «Teppichknüpfer».
Der anstrengendste Teil der Arbeit beginnt am späten Vorabend des Corpus Domini. Die Kunsthandwerker legen ihre Formen auf den Straßen aus, circa 30 Sperrholztafeln pro Teppich, und unter der Leitung des erfahrendsten Handwerkers der Gruppe, beginnt die Herstellung des Werks, indem das Sägemehl in die leeren Stellen der Formen gestreut wird.
Eine Arbeit, die die ganze Nacht über bis zum ersten Tageslicht andauert, woraufhin wenige Stunden später, gegen 9.00 Uhr, die Corpus Domini Prozession an den soeben fertiggestellten Teppichen vorbeiziehen wird.
Mai.2002
Gemeinde Camaiore (auf Deutsch)
Fremdenverkehrsverein Versilia (auf Italienisch und Englisch)