Hier zog sich zu Anfang des vierten Jahrhunderts der Franziskaner Vivaldo Stricchi aus S. Gimignano in Eremitenleben zurück und wurde später tot in einem hohlen Kastanienbaum aufgefunden, welcher ihm als Wohnstätte diente. An diesem Ort entstand folglich eine Einsiedelei. Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert nahmen die Franziskanermönche von ihr Besitz und verwandelten sie in ein Kloster.
Die Einzigartigkeit des Klosters von San Vivaldo liegt in der Existenz einer Reihe an Kapellen, die sich um die Kirche herum befinden und in denen Szenen aus dem Leben von Jesus dargestellt sind. Ursprünglich waren die Kapellen dreißig, während heute noch achtzehn von ihnen verbleiben. Im Mittelalter nahm das Phänomen der Wallfahrten in das Heilige Land beeindruckende Ausmaße an, da die Menschen mit eigenen Augen die Orte sehen wollten, an denen Jesus gepredigt hatte, gekreuzigt worden war und wiederauferstand. Allerdings stellte die Reise ein schwieriges und gefährliches Abenteuer dar, da Palästina zur jener Zeit von der Türken beherrscht wurde.
Daher versuchte man, die Reise in das Heilige Land in das Abendland zu verlegen, indem man die heiligen Stätten von Palästina rekonstruierte: der «Heilige Berg» von San Vivaldo ist einer dieser Orte. Heute ist die «Jerusalem von San Vivaldo» Forschungsobjekt für zahlreiche Archäologen, Kunst- und Urbanistikwissenschaftlern und Architekten, die sich mit den christlichen Heiligtümern von Jerusalem beschäftigen. Momentan ist eine Studie im Gange, welche die Ereignisse rekonstruieren möchte, die zur dem Verschwinden der zwölf Kapellen führten.
Januar.2002
Gemeinde Montaione (auf Italienisch und Englisch)