Schiefer Turm von Pisa

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Offiziell trägt der Schiefe Turm von Pisa den Namen Torre di Pisa. Die Pisani haben sich auf die Kurzform La Torre geeinigt. Er ist der bekannteste freistehende Glockenturm der Toskana. Berühmt wurde das Wahrzeichen Pisas vor allem durch seine deutliche Neigung, aber auch für die zum Zeitpunkt seiner Entstehung neuartige Architektur. Von Beginn an war er eine Attraktion für Schaulustige und Touristen. Um die 100.000 Neugierige kommen pro Jahr, um das ungewöhnliche Bauwerk zu bestaunen.

Der Schiefe Turm von Pisa ist der Campanile des römisch-katholischen Doms Santa Maria Assunta, der Kathedrale des Erzbistums Pisa. Zusammen mit dem Baptisterium, der größten Taufkirche der Welt, und dem Friedhof Camposanto Monumentale bilden sie ein weltberühmtes Ensemble auf der Piazza del Duomo. Ungewöhnlich ist, dass man diese Wunderwerke eher dezentral am Rande des historischen Zemtrums von Pisa platziert hat. Das tut dem Strom neugieriger Touristen aber keinen Abbruch. Die Piazza del Duomo wird im Volksmund als Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder) bezeichnet, was der Bedeutung dieser Meisterwerke der mittelalterlichen Architektur gerecht wird. Die Bauten auf dem magischen Platz hatten einen immensen Einfluss auf die monumentale Kunst im Italien des 11. bis 14. Jahrhunderts.  Folgerichtig wurden sie später zum „UNESCO-Welterbe“ erklärt. Es gibt einige Sehenswürdigkeiten, die man im Toskana Urlaub nicht verpassen darf. Diese gehören dazu.

In der Hauptsache war er als Glockenturm konzipiert. Daneben sollte er aber auch dem Klerus als Zufluchtsort bei Gefahren dienen.

Schiefer Turm in Pisa
Pisa © Greg_Men (bearbeitet). Lizenziert unter CC BY 2.0 über Flickr.

Die Geschichte des Schiefen Turms von Pisa

1173 wurde der Grundstein für den Glockenturm gelegt. Zwölf Jahre nach der Grundsteinlegung waren die Bauarbeiten bis zur dritten Etage fortgeschritten. Damit begannen die Probleme, denn der Turm neigte sich mehr und mehr Richtung Südosten. Die Bauarbeiten mussten eingestellt werden. Der lehmig-sandige Untergrund war zu nachgiebig für den schweren, aus weißem Carrara-Marmor gebauten Turm. Auch unter dem benachbarten Domgebäude gab der Boden im Lauf der Jahre etwas nach.

Erst 100 Jahre später wurden die Bauarbeiten am Turm wieder aufgenommen, nachdem sich der Boden etwas gesetzt hatte. Unter Anpassung des Neigungswinkels erhielt er weitere vier Stockwerke. Doch erst 1372 war das Werk dann vollendet, nachdem aufgrund des Bodens eine weitere langjährige Baupause nötig geworden war. Der schiefe Turm blieb, aller Kunstfertigkeit zum Trotz, ein Problemfall. Mehrfach drohte er umzukippen. Erst durch Stabilisierungsmaßnahmen in jüngster Zeit konnte die drohende Katastrophe vorerst abgewendet werden.

Die Architektur

Nach Informationen von Giorgio Vasari sollen Bonanno Pisano und Guglielmo die ursprünglichen Architekten des Turms gewesen sein. Sicher ist, dass die ersten Baumeister den Untergrund nicht genügend beachteten. So errichtete man Teile des Fundaments auf einem zugeschütteten Kanal, also auf völlig ungeeignetem Boden. Ein folgenschwerer Fehler.

Der Turm sollte ursprünglich 100 Meter hoch und der architektonische Glanzpunkt des Ensembles werden. Diese ehrgeizigen Ziele konnten aufgrund der Schieflage jedoch nicht mehr realisiert werden. Dennoch war der Turm lange Zeit das höchste Gebäude seines Landes. Die Fakten sind beeindruckend:

  • Höhe: 58,36 Meter
  • Außendurchmesser: 15 Meter
  • Gewicht: 14.453 Tonnen, davon 14.200 Tonnen weißer Carrara-Marmor
  • Neigung: etwa 5,5 ° (nach Sanierung etwas geringer)
  • Behauene Steine: 29.424
  • Glocken: 7
  • Kapitelle: 207
  • Treppe: 293 Stufen

Schiefer Turm von Pisa

Der zylinderförmige Turm hat auf jeder der sechs oberen Etagen eine Galerie mit jeweils 30 Säulen. Damals baute man in Mittelitalien quadratische Türme. In Nordeuropa hingegen waren spitz zulaufende Türme üblich. So erregte der Schiefe Turm von Pisa nicht nur durch seine Neigung, sondern auch durch seine außergewöhnliche Architektur von Beginn an viel Aufsehen.

Der im romanisch-pisanischen Stil errichtete Turmbau wird von einer flachdachigen Glockenstube gekrönt, die einen etwas geringeren Durchmesser als der Unterbau aufweist. Durch Türen gelangt man in jeder Etage zur Säulengalerie. Durch die Maueröffnungen und -vorsprünge im Zylinderschacht war es einfach, bei Bedarf in jedem Stockwerk Fußböden einzuziehen.

Viele Details seines Bausstils waren wegweisend für andere Baumeister seiner Zeit. Die Treppe zur obersten Aussichtsterrasse soll zum Beispiel Brunelleschi zu einer ähnlichen Lösung beim Bau des Aufgangs zur Laterne auf der Kuppel des Doms in Florenz inspiriert haben.

Der Schiefe Turm von Pisa in der Neuzeit

Trotz seiner Schieflage überstand der Turm die Erschütterungen bei den alliierten Bombenangriffen auf Pisa im Zweiten Weltkrieg.

1987 nahm die UNESCO den Dom-Bereich, zu dem neben Dom und Campanile u. a. auch die weltgrößte Taufkirche (Baptisterium) gehört, in das Weltkulturerbe auf.

Schiefer Turm in Pisa

1990 wurde der ständig schiefer gewordene Turm für Besucher gesperrt. Glücklicherweise konnte ihn auch ein leichtes Erdbeben im Jahr 1997 nicht zu Fall bringen.

Nach aufwändigen Sanierungsarbeiten können seit 2001 wieder Touristen in kleinen Gruppen von maximal 30-40 Besuchern die Treppenstufen im berühmten Torre hochsteigen. Aktuell weist der Turm, der der Legende nach Galileo Galilei als Versuchsanlage für den Beweis der Fallgesetze gedient haben soll, einen Neigungswinkel von etwa vier Prozent (1990: 5,5 Prozent) auf.

2016 kam der Turm erneut in die Schlagzeilen. Ein Tunesier mit dschihadistischem Hintergrund planten einen Anschlag auf den Turm. Der 26-Jährige wurde daraufhin sofort ausgewiesen.

Es gibt übrigens in Pisa noch zwei weitere Türme mit ebenfalls erheblichen Schräglagen: Der Campanile der Kirche San Michele degli Scalzi weist eine Schräge von etwa fünf Grad auf, der Campanile von San Nicola hat eine Abweichung von 2,5 Grad.