Archäologisches Nationalmuseum in Florenz

Archäologisches Nationalmuseum in Florenz: etruskische Funde
© Das Bild zeigt etruskische Funde in archäologischem Nationalmuseum in Florenz und stammt von Sailko – Eigenes Werk, lizenziert unter [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons.
Florenz hat eine Vielzahl von Kunstwerken und Museen. Eines der Museen, das sich nicht nur mit Kunst, sondern hauptsächlich mit der Vergangenheit beschäftigt, ist das Archäologische Nationalmuseum Florenz (Museo archeologico nazionale di Firenze). Untergebracht ist es im Palazzo della Crocetta, ein Gebäude, dessen Bau 1620 begann.

Giulio Parigi (1571bis 1635), ein italienischer Architekt und Designer, der aus einer Architektenfamilie stammte und für den Hof der Medici arbeitete, baute den Palazzo für Maria Maddalena de‘ Medici (1600 bis 1633), einer toskanischen Prinzessin und Tochter von Ferdinando I.

Es ist nicht nötig, Student an der Universität von Florenz zu sein, um sich in historischen Dingen neues Wissen anzueignen, auch wenn das Archäologische Nationalmuseum ebenso wie das Museo di Storia Naturale (Naturhistorisches Museum) Teil der Universität von Florenz sind.

Die Toskana, deren Bezeichnung sich vom Volk der Etrusker ableitet, ist zwar nicht eindeutig als Ursprung der Ansässigkeit dieses Volkes nachgewiesen, aber ebenso wenig ist es gänzlich ausgeschlossen, dass sie aus diesem Gebiet stammten. Wissenschaftliche Einigkeit gibt es darüber noch nicht. Aber fest steht, dass sich die Etrusker in der Toskana über lange Zeit aufhielten und ihre Spuren hinterließen.

Archäologisches Nationalmuseum in Florenz: etruskische Schmucksachen
© Auf dem Bild sind die etruskischen Schmucksachen aus der Kollektion vom Museum zu sehen, Sailko – Eigenes Werk, lizenziert unter [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons.
Die etruskische Kultur war schon im 15. Jahrhundert für die Medici von Bedeutung. Cosimo, der Alte de‘ Medici, zeigte damals daran schon viel Interesse. Erst im 16. Jahrhundert wurden jedoch die Grundlagen für die Sammlungen gelegt, deren Kern die Kultur der Etrusker bildete. Großherzog Cosimo I. vergrößerte die Sammlungen und dieses Werk führten seine Nachfolger fort, vor allem Kardinal Leopoldo von Medici (1617 bis 1675) machte sich dabei verdient. Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und ebenso den Wissenschaften zugetan.

Die Antiquitätensammlungen der Medici und der Lothringer lieferten die ursprünglichen Grundlagen des Archäologischen Museums. Die Exponate wurden zunächst in der Galerie der Uffizien gezeigt. In ihre heutige Herberge, den Palazzo della Crocetta, gelangten sie 1888.

Die etruskische Sammlung

Im Jahr 2006 erfolgte eine Neuorganisation der Anordnung der etruskischen Räume. Zu diesem Zeitpunkt war auch die jahrzehntelange Instandsetzung von mehr als 2000 Exponaten abgeschlossen. Die Überschwemmung von 1966 hatte viel zerstört. Das betraf zahlreiche Werke, die 1887 als neues topographisches Museum hinzugekommen waren. Heute sind Exponate wie u. a. die Chimäre von Arezzo zu besichtigen, eine Skulptur aus der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., der Sarkophag der Amazonen, der aufs 4. Jahrhundert v. Chr. datiert wird sowie die Bronzestatue L‘ Arringatore (der Redner) aus dem 1. Jahrhundert v. Christus. Sehr zu beachten sind die Kunstwerke, die von der großen Goldschmiedekunst der Etrusker zeugen.

Chimäre von Arezzo
© „Chimäre von Arezzo“ von Sailko, [CC BY 2.5] über Wikimedia Commons
Römische Sammlung

Zu den herausragenden Exponaten der Römischen Sammlung gehört u. a. die „Idolino Pesaro“. Teile der 146 cm hohen Bronzestatue eines jungen Mannes waren als Fragmente in Pesaro gefunden worden. So geschehen im Jahr 1530. Dabei handelt es sich um eine Kopie der Römer, die einem klassischen griechischen Original nachempfunden wurde. Ebenso beeindruckend ist eine Arbeit aus dem späten 3. Jahrhundert: „Statue eines jungen Hahns“, die „Gallo Trenoniano“.

Neben der „Minerva des Arezzo“ aus dem 4. Jahrhundert und dem „Torso di Livorno“, einer Kopie, die im 5. Jahrhundert v. Chr. nach einem griechischen Original entstand, gibt es noch weitere Artefakte, die der Römischen Sammlung zugeordnet werden.

Griechische Sammlung

Die antiken griechischen Exponate nehmen einen großen Raum in der zweiten Etage des Museums ein. Vasen und andere Ausstellungsstücke, die in etruskischen Gräbern gefunden wurden, legen deutlich Zeugnis vom kulturellen und wirtschaftlichen Austausch ab, den die Etrusker mit Griechenland pflegten. Der Austausch betraf hauptsächlich Athen. Von dort entstammen die meisten Gefäße. Zu den bekanntesten Stücken gehört ein schwarzfiguriger Kater. Er ist vom Töpfer Ergotimos und vom Maler Kleitias signiert. Und weil er von dem Archäologen Alessandro François 1855 in einem etruskischen Grab gefunden wurde, wird er auch „Françoisvase“ genannt.

Römische Sammlung
© Artefakte römischer Sammlung von Sailko – Eigenes Werk, [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons
Das Ägyptische Museum

Diese Sammlung, die auch als Ägyptisches Museum bezeichnet wird, ist nach dem Turiner Museo Egizio die größte Sammlung von ägyptischen Artefakten in Italien.

Zunächst gab es eine Sammlung von ägyptischen Exponaten in Florenz im Besitz der Medici. Das war im 18. Jahrhundert. Leopold II. (1797 bis 1870), Großherzog der Toskana und Erzherzog von Österreich, der ein gebürtiger Florentiner war, erwarb im 19. Jahrhundert Ausstellungsstücke für das Ägyptische Museum. Zudem stattete er zusammen mit Karl X. (1757 bis 1836, der letzte Herrscher Frankreichs, der den Titel „König von Frankreich und Navarra“ führte) eine wissenschaftliche Expedition aus, die sich von 1828 bis 1829 in Ägypten aufhielt. Leiter dieser Expedition war Jean-François Champollion (1790 bis 1832), ein französischer Sprachwissenschaftler, der 1822 die Hieroglyphen entziffert hatte und als Pionier der wissenschaftlichen Erforschung der Dynastien Ägyptens in die Geschichte einging. Für die italienischen Interessen war Ippolito Rosellini (1800 bis 1843) einer der Expeditionsteilnehmer. Er war ein Freund und zugleich Student von Champollion. Rosellini gilt zusammen mit Champollion als Gründer der italienischen Ägyptologie.

Während der Expedition konnten die Ägyptologen zahlreiche Artefakte durch Ausgrabungen sowie durch Kauf von Händlern zusammentragen. Alle Fundstücke wurden dann aufgeteilt. Sie gingen zu gleichen Teilen an den Louvre in Paris und an das neue Ägyptische Museum in Florenz.

Diese Ägyptische Sammlung, also das Ägyptische Museum, wurde formal offiziell im Jahr 1855 eröffnet. Als erster Direktor amtierte der Archäologe Ernesto Schiaparelli aus dem Piemont von 1881 bis 1894, der später die Leitung des größeren Ägyptischen Museums in Turin übernahm.

Ägyptischer Raum
© Ägyptischer Raum von Sailko – Eigenes Werk, [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons

Schiaparelli katalogisierte die Sammlung und sorgte dafür, dass sie ins Florentiner Archäologische Museum überstellt wurde. Dank zahlreicher Schenkungen von privaten Personen und wissenschaftlicher Institutionen (u. a. vom Papyrologischen Institut Florenz) sowie erneuter Aufkäufe konnte die Sammlung vergrößert werden.

Heute umfasst die Ägyptische Sammlung Exponate von der prähistorischen Zeit bis in das Koptische Zeitalter, zu denen neben zahlreichen weiteren Artefakten u. a. ein Streitwagen aus der 18. Dynastie gehört.
Insgesamt sind es mehr als 14.000 Exponate, die auf neun Galerien und zwei Depots verteilt sind.